06.07.2026 | Die NaturFreunde Berlin lehnen Forderungen nach einem weiteren Ausbau von Langstreckenverbindungen am Flughafen BER entschieden ab. Wer den BER zu einem noch größeren internationalen Luftverkehrsknoten ausbauen will, ignoriert die Herausforderungen der Klimakrise und gefährdet die Erreichung der Klimaschutzziele. Wenn Brandenburgs Verkehrsminister mehr Bemühungen fordert, um interkontinentale Flugverbindungen am Flughafen BER anzusiedeln, ist das ein falscher verkehrspolitischer Weg und führt in eine klimapolitische Sackgasse.
„Eine echte Verkehrswende endet nicht am Flughafenzaun. Wer ernsthaft Klimaschutz betreiben will, darf nicht gleichzeitig immer mehr Langstreckenflüge fordern. Mehr Flugverkehr bedeutet mehr CO₂-Emissionen, mehr Lärm und eine weitere Belastung unserer natürlichen Lebensgrundlagen“, erklärt Uwe Hiksch, vom Landesvorstand der NaturFreunde Berlin.
Der Luftverkehr gehört zu den klimaschädlichsten Formen der Mobilität. Gerade Langstreckenflüge verursachen besonders hohe Treibhausgasemissionen. Hinzu kommen weitere Klimawirkungen durch Stickoxide, Wasserdampf und Kondensstreifen in großen Flughöhen. Ein Wachstum des Luftverkehrs steht deshalb im deutlichen Widerspruch zu den nationalen und internationalen Klimaschutzzielen sowie zu den Verpflichtungen aus dem Pariser Klimaabkommen.
Die NaturFreunde Berlin fordern deshalb eine Verkehrswende, die alle Verkehrsträger umfasst. Während Milliarden in den Ausbau von Flughäfen und den Luftverkehr fließen, fehlt es vielerorts an Investitionen in die klimafreundliche Schiene. Insbesondere europäische Hochgeschwindigkeitsverbindungen und ein leistungsfähiges Nachtzugnetz müssen deutlich ausgebaut werden. Auf zahlreichen innerdeutschen und europäischen Strecken kann die Bahn den Flugverkehr ersetzen – vorausgesetzt, sie ist schnell, zuverlässig, bezahlbar und grenzüberschreitend einfach nutzbar.
Gleichzeitig kritisieren die NaturFreunde Berlin die weiterhin bestehenden Privilegien des Luftverkehrs. Kerosin wird im internationalen Flugverkehr steuerlich begünstigt, internationale Flugtickets sind vielfach von der Mehrwertsteuer befreit. Diese Subventionen verzerren den Wettbewerb zulasten klimafreundlicher Verkehrsmittel und setzen falsche Anreize.
„Die öffentlichen Mittel müssen dorthin fließen, wo sie den größten Beitrag zum Klimaschutz leisten. Jeder Euro, der in den Ausbau des europäischen Bahnverkehrs investiert wird, ist besser angelegt als neue Kapazitäten für den Flugverkehr zu schaffen“, betont Uwe Hiksch vom Berliner Landesvorstand der NaturFreunde.
Auch für die Menschen in der Flughafenregion hätte eine weitere Ausweitung des Flugverkehrs erhebliche Folgen. Mehr Starts und Landungen bedeuten zusätzliche Lärm- und Schadstoffbelastungen sowie eine geringere Lebensqualität für die betroffenen Anwohnerinnen und Anwohner.
Die NaturFreunde Berlin fordern, den Luftverkehr konsequent in die Verkehrswende einzubeziehen. Notwendig sind ein Ausbaustopp für zusätzliche Langstreckenkapazitäten am BER, der konsequente Ausbau des europäischen Bahnverkehrs, der Abbau klimaschädlicher Subventionen im Luftverkehr sowie eine verursachergerechte Bepreisung der Klimafolgekosten.
Klimaschutz verlangt konsequentes Handeln. Der BER darf nicht Symbol einer Politik des unbegrenzten Wachstums werden, sondern muss sich in eine nachhaltige Mobilitätsstrategie einfügen. Die Zukunft der Mobilität liegt auf der Schiene – nicht in immer mehr Langstreckenflügen.
Die NaturFreunde Berlin setzen sich für eine grundsätzlich neue Verkehrspolitik ein und fordern:
- ein europaweites Verbot von Kurzflügen unter 1.000 Kilometern
- die deutliche Einschränkung der Versendung von Waren per Luftfracht
- ein generelles Nachflugverbot an allen Flughäfen weltweit
