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  1. Startseite

NaturFreunde: Parklets in Berlin – ein Projekt für eine Stadt für alle

© Uwe Hiksch
© Blumig21

27.08.2026 | Berlin ist eine Stadt mit dichtem Verkehr, hohem Parkdruck und gleichzeitig einem enormen Bedarf an öffentlichen Aufenthalts- und Begegnungsräumen. In den letzten Jahren hat die Erstellung von Parklets gezeigt, wie sich Straßenraum anders denken lässt: als Ort für Menschen statt nur für Autos. In Berlin wurden über 120 Parklets eingerichtet, die Sitzgelegenheiten, Begrünung oder Nachbarschaftstreffpunkte ermöglichen.

Die NaturFreunde Berlin sehen in dieser Entwicklung einen wichtigen Schritt hin zu einer sozial und ökologisch gerechteren Stadt. Parklets stehen für eine einfache Idee mit großer Wirkung: ein Stellplatz wird zu einem Ort der Begegnung.

Um für die Sicherung und den Ausbau von Parklets zu werben, führen die NaturFreunde Berlin regelmäßige Stadtspaziergänge unter dem Motto „Tour de Parklet“ durch und zeigen interessierten Berliner*innen die Vielfalt des in Berlin unter dem rot-rot-grünen Senat ermöglichten Aufbaus von Parklets durch ein öffentlich gefördertes Parklet-Programm.

Parklets sind keine großen Bauprojekte, sondern niedrigschwellige Interventionen im Stadtraum. Gerade deshalb entfalten sie Wirkung:

Sie schaffen Aufenthaltsqualität in dicht bebauten Kiezen.

Sie fördern nachbarschaftliche Begegnung und soziale Kontakte.

Sie verbessern das Mikroklima durch Begrünung und Entsiegelung.

Sie machen Stadtplanung im Alltag sichtbar und erfahrbar.

Sie zeigen, dass Straßenraum mehr sein kann als Verkehrsfläche.

In sechs Berliner Bezirken wurden Parklets von Initiativen, Cafés, Kiezgruppen und Vereinen aufgebaut und genutzt. Sie wurden zu kleinen „öffentlichen Wohnzimmern“ – besonders in Straßen, in denen es sonst kaum Sitzgelegenheiten oder Grün gibt.

Politische Blockade und Rückbau:

Mit dem politischen Wechsel in Berlin und der Regierungsübernahme durch die CDU im Verkehrssenat kam es zu einem Kurswechsel in der Bewertung solcher Projekte. Die bisherige Förderung wurde gestoppt und damit der Bau neuer Parklets deutlich erschwert.

Die CDU Berlin argumentiert dabei vor allem mit Fragen der Verkehrsfläche und des Parkraums. Diese Argumentation ist in keiner Weise nachvollziehbar, da es allein in Berlin rund 1,28 Millionen öffentliche Straßenparkplätze mit einer Gesamtfläche von etwa 14,6 Millionen Quadratmetern gibt. Die NaturFreunde Berlin setzen sich seit vielen Jahren dafür ein, dass endlich Parkplätze in öffentliche Räume mit Aufenthaltsqualität für die Menschen umgewandelt werden. Wenn mehr Parkplätze aufgelassen und diese Teile der Straße entsiegelt würden, könnten wichtige Grundlagen für die Schaffung einer Stadt für alle und die Durchsetzung einer Schwammstadt in Berlin ermöglicht werden.

Mit der Entscheidung des Verkehrssenats wurde aus stadtentwicklungspolitischer Sicht ein stadtplanerischer Rückschritt eingeleitet: weg von einer partizipativen und klimafreundlichen Stadtgestaltung, hin zu einer stärkeren Priorisierung des motorisierten Individualverkehrs.

NaturFreunde erhalten und sichern Parklets

Die NaturFreunde Berlin haben in diesem Zusammenhang auch praktisch reagiert und Parklets entschieden, trotz der Beendigung des öffentlich geförderten Projektes durch die Senatsverwaltung, die Parklets weiter zu betreuen, neue Genehmigungen für selbstfinanzierte Parklets zu unterstützen und die 120 Partner-Parklets der Initiativen, sozialen Einrichtungen und Nachbarschaftsinitiativen weiter über ihre Generalversicherung abzusichern, damit Haftungsrisiken eingeschränkt werden konnten und die Sicherung der Parklets möglich blieb. Damit sollte die soziale und praktische Grundlage für den Erhalt solcher Projekte gestärkt werden.

Warum Parklets wichtig sind

Die Bedeutung von Parklets geht über reine Stadtgestaltung hinaus. Sie berühren zentrale Fragen urbaner Entwicklung:

1. Klimaanpassung
Berlin heizt sich im Sommer stark auf. Parklets leisten einen Beitrag für eine Verbesserung des Mikroklimas und reduzieren Hitzeinseln.

2. Soziale Infrastruktur
Nicht jeder Kiez verfügt über Parks oder Plätze in unmittelbarer Nähe. Parklets schließen kleine Lücken im öffentlichen Raum.

3. Demokratisierung des Stadtraums
Wenn Bürger*innen selbst Flächen gestalten dürfen, entsteht ein anderes Verständnis von Stadt: nämlich das Verständnis als gemeinsam entwickelter Raum einer Stadt für alle.

4. Mobilitätswende
Parkplätze sind nicht neutral – sie belegen öffentlichen Raum und verhindern eine aktive Stadtgestaltung in der direkten Nachbarschaft. Mit der Entscheidung für Parkplätze wird die Flächennutzung einseitig auf den Autoverkehr fokusiert. Parklets stellen diese Priorität infrage.

Beispielhafte Nutzung in Berlin

In verschiedenen Bezirken zeigten Parklets bereits, wie vielfältig sie genutzt wurden:

  • Sitz- und Treffpunkte vor Kiezcafés
  • Urban Gardening mit Hochbeeten
  • Nachbarschaftliche Veranstaltungsorte
  • Spiel- und Aufenthaltsflächen für Kinder
  • Kleine kulturelle Bühnen im Straßenraum

Gerade in innerstädtischen, stark verdichteten Quartieren wurden sie zu wichtigen sozialen Knotenpunkten.

Forderungen der NaturFreunde

Die NaturFreunde Berlin fordern weiterhin den Bau und die Ermöglichung von Parklets in Berlin. Sie sollen nicht nur erhalten, sondern aktiv ausgebaut werden.

Daraus ergeben sich zentrale Forderungen an den neuen Senat:

1. Wiedereinführung eines Parklet-Programms
Ein transparentes, unbürokratisches Genehmigungsverfahren für Initiativen, Kiezgruppen und soziale Träger.

2. Dauerhafte rechtliche Verankerung
Parklets dürfen nicht von kurzfristigen politischen Mehrheiten abhängig sein.

3. Förderung statt Hürden
Finanzielle Unterstützung für Bau, Pflege und Begrünung von Parklets.

4. Gleichberechtigte Flächennutzung
Straßenraum darf nicht ausschließlich als Parkraum für Autos gedacht werden.

5. Klimaanpassung als Leitprinzip
Parklets müssen Teil einer gesamtstädtischen Strategie gegen Hitze und Versiegelung werden.

Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt: Parklets sind mehr als ein städtebauliches Experiment. Sie sind ein praktischer Ausdruck einer anderen Stadtidee – einer Stadt, die nicht nur für Mobilität, sondern für Leben gestaltet wird.

Wenn Berlin seine Klimaziele ernst nimmt und soziale Teilhabe im öffentlichen Raum stärken will, dann braucht es keine Rückabwicklung, sondern eine Weiterentwicklung dieser Idee. Die Forderung der NaturFreunde Berlin bleibt daher klar: Parklets müssen zurück in die Stadt – dauerhaft, gefördert und politisch gewollt.

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