20.03.2026 | Die Stadt Berlin war für ihre Freiräume bekannt. Heute ist sie das Spielfeld von Immobilienkonzernen, Spekulanten und Millionären, die aus Wohnraum ein Geschäft gemacht haben. Was früher ein Zuhause war, ist heute zur Ware geworden. Ganze Kieze werden leergekauft, modernisiert, verkauft – und die Menschen, die dort seit Jahrzehnten leben, werden verdrängt.
Die Folgen kennen wir: Mieten steigen jedes Jahr, während die Löhne nicht mithalten können. Wohnungen werden luxussaniert, in Eigentum umgewandelt oder als Ferienwohnungen auf Plattformen angeboten. Wer arm ist oder wenig verdient, wird aus der Innenstadt gedrängt – an den Rand oder gleich aus der Stadt. Was bleibt, ist eine Stadt für Reiche – sauber, teuer und kulturell tot.
Dabei ist Wohnraum kein Luxus, sondern ein Grundrecht. Niemand sollte davon abhängig sein, ob jemand mit genug Kapital gerade Lust hat, die eigene Wohnung als Anlageobjekt zu benutzen. Immobilienkonzerne sitzen auf zehntausenden Wohnungen und behandeln sie wie Aktien. Sie kaufen billig auf, treiben die Preise hoch und verkaufen weiter. Währenddessen zahlen Mieter*innen einen immer größeren Teil ihres Einkommens, nur um ein Dach über dem Kopf zu haben. Für viele heißt das: kein Geld mehr für Kultur, für Freizeit, für gutes Essen oder für die Kinder.
Es reicht nicht mehr, über eine Mietenbremse zu reden. Wir brauchen mehr als kosmetische Maßnahmen – wir brauchen eine Kehrtwende. Wohnraum muss vergesellschaftet werden. Die großen Immobilienkonzerne müssen in die öffentliche Hand überführt werden. Die Stadt muss ihre Häuser zurückholen.
Und nicht nur das: Boden darf kein Spekulationsobjekt mehr sein. Die Vergabe von Grundstücken darf nicht länger vom höchsten Gebot abhängen – sie muss nach Gemeinwohl entschieden werden. Leerstand muss verboten werden. Wer Wohnungen leer stehen lässt, während andere keine finden, soll sie verlieren. Baupolitik muss sich nach dem Bedarf der Menschen richten, nicht nach den Profiten von Baukonzernen.
Berlin muss eine Stadt werden, die allen gehört. Wir müssen uns von der Vorstellung verabschieden, dass der Markt dieses Problem regelt – der Markt hat die Krise erst geschaffen. Wohnraum gehört nicht an die Börse, nicht in die Hände von Investoren und Fonds, die in London oder New York über Berliner Dächer entscheiden.
Eine Stadt, in der alle leben können, ist möglich. Aber dafür müssen wir aufhören, uns einreden zu lassen, dass steigende Mieten ein Naturgesetz sind. Sie sind politisch gewollt, und sie können durch politischen Druck gebrochen werden. Wir wollen eine Stadt ohne Spekulation, ohne Angst vor der nächsten Mieterhöhung, ohne Verdrängung. Wir wollen eine Stadt, in der Kinder aufwachsen können, ohne dass ihre Eltern sich zwischen Essen und Miete entscheiden müssen.
Berlin gehört uns allen. Holen wir uns diese Stadt zurück!
Max Süßenbach
aus: WanderfreundIn 04-2025

