Öffentlicher Raum darf kein Werbeparkplatz sein
Die NaturFreunde Berlin stellen sich klar hinter das Volksbegehren „Berlin werbefrei“. Angesichts der immer aggressiveren Ausbreitung von Außenwerbung in der Stadt sehen sie dringenden politischen Handlungsbedarf. Berlin droht zunehmend zur Kulisse für Konsuminteressen zu verkommen – auf Kosten von Umwelt, Gesundheit, Demokratie und sozialem Zusammenhalt.
Großflächenplakate, digitale Werbetafeln und grell beleuchtete Screens dominieren Straßenräume, Plätze und Verkehrsknotenpunkte. Diese Entwicklung ist kein Zufall, sondern Ergebnis einer Politik, die öffentlichen Raum systematisch an private Werbekonzerne ausverkauft. Die NaturFreunde Berlin kritisieren diese Praxis scharf: Öffentlicher Raum gehört allen – nicht den lautesten und zahlungskräftigsten Akteuren der Werbeindustrie.
Außenwerbung ist weit mehr als ein ästhetisches Problem. Digitale Werbeanlagen verbrauchen enorme Mengen Energie, verursachen unnötige CO₂-Emissionen und stehen damit im offenen Widerspruch zu den Berliner Klimazielen. Gleichzeitig tragen sie zur visuellen Reizüberflutung bei, erhöhen Stress und lenken im Straßenverkehr gefährlich ab. Eine Stadt, die es ernst meint mit Klima-, Umwelt- und Gesundheitsschutz, kann sich diese Dauerbeschallung nicht länger leisten.
Das Volksbegehren „Berlin werbefrei“ setzt genau hier an. Es fordert eine drastische Reduzierung großformatiger Werbung im öffentlichen Raum und stellt damit eine Grundsatzfrage: Wollen wir eine Stadt für Menschen oder eine Stadt für Konsum? Die NaturFreunde Berlin beantworten diese Frage eindeutig. Öffentliche Räume müssen Orte der Begegnung, der Erholung und der demokratischen Teilhabe sein – keine Dauerwerbesendungen.
Auch sozialpolitisch ist die allgegenwärtige Werbung problematisch. Sie verstärkt Konsumzwänge, normalisiert überhöhte Lebensstile und verschärft soziale Ungleichheiten. Wer täglich mit unerreichbaren Konsumversprechen konfrontiert wird, erlebt nicht Freiheit, sondern subtilen Druck. Ein werbefreieres Berlin bedeutet deshalb auch mehr soziale Gerechtigkeit und mentale Entlastung.
Die NaturFreunde Berlin verstehen ihre Unterstützung des Volksbegehrens als konsequenten Teil ihres Engagements für eine ökologische und solidarische Stadtentwicklung. Halbherzige Selbstverpflichtungen reichen nicht mehr aus. Jetzt braucht es klare Regeln und den politischen Mut, sich gegen mächtige Wirtschaftsinteressen zu stellen.
Mit dem Volksbegehren „Berlin werbefrei“ bietet sich die Chance, den öffentlichen Raum zurückzuerobern. Die NaturFreunde Berlin rufen dazu auf, diese Chance zu nutzen – für ein Berlin, das sich am Gemeinwohl orientiert und nicht am Werbeumsatz.

