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Stolpersteintour im AVA-Kiez

© Uwe Hiksch

02.01.2026 | Zu einer DenkMalTour „Stolpersteine rund um den AVA-Kiez“ hatten die NaturFreunde Berlin alle Interessierten eingeladen. Die Tour wurde im Rahmen des Projektes „Dein Kiez, Dein Wohnzimmer“ durchgeführt. Die DenkMalTour begann am Treffpunkt vor dem Quartiersmanagement Auguste-Viktoria-Allee in der Graf-Haesler-Str. 17. Uwe Hiksch stellte die Entstehungsgeschichte des Kunstprojektes Stolpersteine vor und zeigte die Diskussionen in den vergangenen Jahrzehnten auf.

Danach ging es zum Eichborndamm 84, an der die Stolpersteine für die Familie Antonius und Sabat liegen. Frieda Antonius wurde im Rahmen der „Fabrik-Aktion“ verhaftet und in das Sammellager in der Großen Hamburger Str. 26 verschleppt. Der Referent zeigte die Geschichte der Fabrik-Aktion auf, in der allein in Berlin etwa 11.000 Jüd*innen inhaftiert wurden und in die verschiedenen Sammellager verschleppt wurden. In diesem Zusammenhang verwies er auf die Geschichte der Rosenstraße und den mutigen Kampf der Ehefrauen der Verschleppten um ihre Männer. Hiksch ging dabei auch auf das beeindruckende Denkmal von Ingeborg Hunzinger in der Rosenstraße und auf das Denkmal vor dem ehemaligen Altenheim der Jüdischen Gemeinde in der Großen Hamburger Straße ein.

Die zweite Station führte in die Kienhorststraße 162, in der der Stolperstein für Karl Zierke liegt. Karl Zierke wurde in die Heil- und Pflegeanstalt Obrawalde verschleppt und dort ermordet. Den Teilnehmenden wurde die Geschichte der Heil- und Pflegeanstalt vorgestellt und am Beispiel einiger Täter*innen das Umgehen der Gerichte nach 1945 aufgezeigt.

Die nächste Station führte zum Eichborndamm 24, in dem Rudolf Eugen Grieb gelebt hatte. Rudolf Eugen Grieb war von Beruf Maschinenschlosser und schloss sich einer illegalen Betriebsgruppe der KPD an. Er sammelte Geld und Informationen und veröffentliche Flugblätter gegen Krieg und Faschismus. Er wurde in die Strafanstalt Plötzensee verschleppt und am 21. August 1944 im Zuchthaus Brandenburg-Görden ermordet. Die Teilnehmenden erfuhren an dieser Station die Geschichte der Strafanstalt Plötzensee und des Zuchthauses Brandenburg-Görden.

Weiter ging es zum Eichborndamm 22 in dem Wilhelm Scheller gelebt hatte, der als Mitglied der KPD im Widerstand gegen den Faschismus war. Er wurde im Rahmen einer Aktion, in der er illegal nach Berlin kam, um dort den Kontakt mit den Widerstandsgruppen zu suchen verhaftet und von den Nazis ermordet. Wilhelm Scheller war von Nachbarn seiner Wohnung denunziert worden und dann von der Gestapo verhaftet. Kein Familienmitglied erhielt nach dem Krieg die Anerkennung als Opfer des Nazi-Regimes. Die Richter stellten in dem Urteil fest, dass ihre Verurteilungen und die Hinrichtung als übliche Strafe für Spionage eingestuft wurde.

Die nächsten Stationen waren die Antonienstraße 12 in der Tekla Weidle gelebt hatte und die Antonienstraße 61 in der Erna Ida Teschner lebte. Auch Erna Ida Teschner wurde in der Heilanstalt Obrawalde ermordet.

Eine weitere Station war die Ecke Antonienstraße/Scharnweberstraße in der auf den Stolperstein von Luise Stanislaw hingewiesen wurde, die am 29. Januar 1944 in der Heilanstalt Obrawalde ermordet wurde. Luise Stanislaw hatte die Volksschule besucht und nach ihrer Schule eine Ausbildung zur Schneider*in absolviert. Gegen ihren Willen wurde sie nach Obrawalde eingewiesen. Wie bei vielen Ermordeten in Obrawalde wurden falsche Totenscheine ausgestellt, mit denen ihre Ermordung verschleiert werden sollten. Im Totenschein von Luise Stanislaw stand: „Exitusletalis; Todesursache Entkräftung bei Furunkulose.“

Die vorletzte Station war der Engelmannweg 86 in dem Dr. Berta Jacoby wohnte. Berta Jacoby hatte im Februar 1930 das Staatsexamen an der Friedrich-Wilhelms-Universität abgelegt. Am 1. März 1930 erhielt sie die Approbation, der Tag ihrer Promotion war der 1. August 1932. Berta Jacoby wurde in das Frauen-KZ Ravensbrück verschleppt. Von dort wurde sie in die Tötungsanstalt Bernburg deportiert, in der sie am 10. Februar 1942 ermordet wurde.

Die letzte Station war die Schillingstraße 43. Dort wurde den Teilnehmenden der Stolperstein von Fritz Bombis gezeigt der in Obrawalde ermordet wurde.

Während der Tour erfuhren die Teilnehmenden viel über die Geschichte der Ermordung von Menschen mit Beeinträchtigungen durch die Faschisten und wurden mit einigen Schlaglichtern auf die Geschichte jüdischen Lebens in Berlin hingewiesen.

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