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NaturFreunde gedenken Georg Elser

© Uwe Hiksch
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12.04.2021 | Am 9. April gedenken die NaturFreunde Georg Elser. Jedes Jahr treffen sich NaturFreund*innen und Antifaschist*innen am Denkzeichen für Georg Elser in der Berliner Wilhelmstraße. In diesem Jahr wurden die Gedenkreden von Jonathan Deisler, Uwe Hiksch und Bruno-Klaus Lampasiak gehalten. Jonathan Deisler ging in seiner Rede auf die schwierige Entscheidung ein, in einer Diktatur einen Tyrannenmord durchzuführen. Er ging auf die Abwägung ein, inwieweit ein Tyrannenmord ethisch und moralisch zu vertreten sei. Am Beispiel des Widerstandes in verschiedenen Gesellschaftsformen zeigte er die Debatte auf, die bis heute geführt wird.

Uwe Hiksch ging in seiner Gedenkrede auf den Arbeiter*innenwiderstand in der Zeit des Faschismus ein. Er zeigte anhand der Entwicklung der Gedenkkultur in Westdeutschland auf, wie schwierig es war, in den 1960er und 1970er Jahren die Würdigung von Kommunist*innen, Gewerkschafter*innen und Arbeiter*innen in den offiziellen Gedenkveranstaltungen durchzusetzen. Es waren auch die NaturFreunde, die sich in Zusammenarbeit mit Geschichtswerkstätten und fortschrittlichen Historiker*innen für die Würdigung des Widerstandes der ‚einfachen Leute‘ einsetzten. Am Beispiel Georg Elsers zeigte er auf, wie sich ein Arbeiter aus einfachen Verhältnissen durch seine intensive Beschäftigung mit den Folgen der Nazi-Herrschaft eine systematische Strategie zur Veränderung der Verhältnisse entwickelt habe. Georg Elser begann 1938 mit der Vorbereitung des Attentates auf Hitler und die Führungsriege der Nazis. Sein Leben und selbst sein beruflicher Werdegang wurde dem Ziel, die Diktatur der Nazis zu beenden untergeordnet. Völlig allein plante er das Attentat.

Bruno-Klaus Lampasiak ging in seiner Rede auf die historische Forschung der NaturFreunde zu Georg Elser und dem Widerstand der NaturFreunde gegen den Faschismus ein. Anhand einer Reihe von Beispielen zeigte er auf, wie schwierig es war und ist, Informationen über das Leben von Arbeiter*innen aus der Zeit vor 1933 zu finden, da häufig – anders als bei Intellektuellen und bekannten Persönlichkeiten - keine schriftlichen Überlieferungen vorhanden sind. Deshalb sei die direkte Forschung in den Stationen des Lebens von Georg Elser eine wichtige Voraussetzung für die Rekonstruktion seines Lebens gewesen.

Die Person Georg Elser

Am 9. April 1945 wurde Georg Elser im Konzentrationslager Dachau ermordet. Georg Elser war Kommunist und NaturFreund. Als überzeugter Antifaschist und Antimilitarist wollte der den Krieg verhindern und plante ein Attentat auf Adolf Hitler und die Führungsriege der NSDAP. Auch nach 1933 verweigerte er den Hitlergruß und soll nach Augenzeugenberichten den Raum verlassen haben, wenn Reden von Hitler im Rundfunk übertragen wurde.

Als viele noch dem Werben der Nazis nachliefen erkannte Georg Elser bereits die Folgen der Nazi-Herrschaft und war überzeugt, dass die Nazis Deutschland in den Krieg führen würden. Nach seiner Verhaftung im Jahr 1939 durch die Nazis führte er in den Gestapo-Verhören aus: „„Die von mir angestellten Betrachtungen zeitigten das Ergebnis, dass die Verhältnisse in Deutschland nur durch eine Beseitigung der augenblicklichen Führung geändert werden könnten. Unter der Führung verstand ich die ‚Obersten‘, ich meine damit Hitler, Göring und Goebbels. Durch meine Überlegungen kam ich zu der Überzeugung, dass durch die Beseitigung dieser 3 Männer andere Männer an die Regierung kommen, die an das Ausland keine untragbaren Forderungen stellen, die kein fremdes Land einbeziehen wollen und die für eine Verbesserung der sozialen Verhältnisse der Arbeiterschaft Sorge tragen werden.“[1]

Georg Elser hatte sich bereits im Jahr 1938 entschlossen, durch ein Attentat die Führung der NSDAP zu töten. Am 8. November 1939 verübte er ein Attentat im Münchener Bürgerbräukeller, mit dem er Adolf Hitler töten wollte. Die von ihm hergestellte Zeitbombe explodierte wenige Minuten zu spät. Dreizehn Minuten haben dafür gefehlt. In seinem 1964 gefundenen Akten über die Verhöre bei der Gestapo hatte er als wichtigste Begründung seiner Tat gesagt: „Ich habe den Krieg verhindern wollen.“

Mit seiner Weitsicht sah er die Katastrophe voraus, die durch die mörderische Politik der Nazis hervorgerufen wurde. Auch aus diesem Grund haben die NaturFreunde auf ihrem Transparent die Losung „Ein Sehender unter Blinden“ gewählt.

Georg Elser und die NaturFreunde

Georg Elser wurde am 4. Januar 1903 in Hermaringen/Württemberg geboren. Er absolvierte eine Schreinerlehre. 1928 wurde er Mitglied im kommunistischen „Roten Frontkämpferbund Konstanz“. Georg Elser war von 1926 bis zu ihrem Verbot 1933 aktiv bei den Konstanzer NaturFreunden.

Viele Jahren haben sich die Historiker*innen der NaturFreunde bemüht, die verlorengegangenen Unterlagen der NaturFreunde Ortsgruppe Konstanz wiederzufinden. Dies war leider nicht möglich. Wie viele Unterlagen sind auch die Mitgliedsdateien, Protokolle und Kassenbücher der NaturFreunde Konstanz aus der Zeit der Weimarer Republik nicht mehr aufzufinden. Ob sie vernichtet wurden, um den Nazis keine Dokumente mit Mitgliedsdateien zu geben, versteckt und bisher nicht gefunden wurden oder durch die Zerstörungen des Krieges verloren gegangen sind, kann heute nicht mehr rekonstruiert werden.

Überliefert ist, dass Georg Elser mit den NaturFreunden wandern war. Dies spricht dafür, dass er auch Mitglied der NaturFreunde wurde, da in der Regel die Veranstaltungen von NaturFreunden, allen voran die Wanderungen, vor allem von Mitgliedern des Arbeiter*innenvereins besucht wurden. Mindestens wurden neue Interessierte sehr früh auf eine mögliche Mitgliedschaft im Verein angesprochen. Das Georg Elser Vereinen aufgeschlossen gegenüberstand zeigt zum Beispiel seine Mitgliedschaft im Roten Frontkämpferbund, die überliefert ist. „Bei seiner Verhaftung in Konstanz am Abend des 8. November 1939 hatte Georg Elser unter dem Kragen seiner Jacke ein Abzeichen des Roten Frontkämpferbundes angesteckt. In diesen Roten Frontkämpferbund trat Georg Elser im Alter von etwa 25 Jahren in Konstanz ein.“[2]

Wenn heute manche Historiker*innen die Mitgliedschaft von Georg Elser bei den NaturFreunden infrage stellen, weil „nur [die von] einem einzigen in Königsbronn lebenden Zeitzeugen stammende Aussage“ überliefert sei, ist das zumindest verwunderlich. Die Vernichtung der Unterlagen der NaturFreunde-Ortsgruppen zieht sich durch die gesamte Geschichte der NaturFreunde nach 1933. Die NaturFreunde waren ein dezentral organisierter Verband, der kein zentrales Mitgliederregister führte. Alle Mitgliederdaten lagen bei den Ortsgruppen. Durch das Verbot und die Verfolgung der NaturFreunde in der Zeit des Faschismus sind in der Mehrzahl der Ortsgruppen nahezu alle Unterlagen verloren gegangen. Deshalb baut viele historische Fakten heute auf die Überlieferung überlebender NaturFreund*innen nach 1945 auf.

Die NaturFreunde Deutschland sehen Georg Elser als NaturFreund, der im Geiste und mit seinem konkreten Aussagen in der Tradition und Überzeugung der NaturFreunde-Bewegung verankert war. Als Mitglied des kommunistischen Rotfront-Kämpferbundes fand er bei den NaturFreunden viele Gleichgesinnte. Bis 1933 waren viele Tausend Kommunist*innen Mitglied der NaturFreunde. Natürlich hoffen die NaturFreunde, die verschollenen Unterlagen der Ortsgruppe aus der Zeit der Weimarer Republik wieder zu finden, damit die historische Forschung der NaturFreunde auch hier durch schriftliche Unterlagen untermauert werden kann.

[1] Georg Elser: Berliner Verhörprotokoll, 3.Tag – Dienstag, 21. November 1939, S. 91f. Siehe: http://www.georg-elser-arbeitskreis.de/texts/geverhoer3.htm
[2] Peter Koblank, Georg Elser und der Rote Frontkämpferbund, in: Georg-Elser-Arbeitskreis Heidenheim, 2008, siehe: http://www.mythoselser.de/rfb.htm

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