22.10.2026 | 60 Prozent der weltweiten Migration findet statt, weil die Menschen Arbeit suchen oder nachgehen. Im „Weltmigrationsbericht 2026“, der Internationalen Organisation für Migration (IOM), wird hervorgehoben, dass Migrant*innen in ihre Heimatländer jährlich rund 900 Milliarden Dollar überweisen und damit einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung der Armut in den Regionen leisten. Im Jahr 2024 lebten etwa 304 Millionen Menschen außerhalb ihres Geburtslandes. Das sind etwa 3,9 Prozent der Weltbevölkerung.
Die IOM weist darauf hin, dass besonders Industriestaaten von der Migration profitieren, da durch die zusätzlichen Arbeitskräfte in demographisch alternden Gesellschaften Arbeiten in Pflegeberufen, Bauwirtschaft, Gastronomie und Logistik sichergestellt werden. Weltweit sei der Zugang zu Migrationsmöglichkeiten ungleich verteilt. Während sich Wege für Menschen aus einkommensstärkeren Ländern zunehmend öffnen, bleiben sie für Menschen aus einkommensschwächeren Ländern eingeschränkt.
Ende 2024 waren weltweit über 120 Millionen Menschen vertrieben, darunter Geflüchtete, Asylsuchende und Binnenvertriebene. Zugenommen hat auch die erzwungene Migration aufgrund von Umwelt- und Klimakatastrophen. Weltweit mussten 45,8 Millionen Menschen ihre Regionen verlassen, da Überschwemmungen, Dürren oder andere extreme Wetterereignisse sie dazu zwangen.
Der Bericht der IOM weist darauf hin, dass die zunehmende Abschottungsstrategie der Staaten des Globalen Nordens Migration nicht verhindere. Vielmehr verlagere er die Risiken für Migrant*innen, indem sie auf immer gefährlichere und unsicherere Fluchtrouten gedrängt werden. Die Vereinten Nationen weisen darauf hin, dass im letzten Jahr fast 8.000 Menschen gestorben oder vermisst werden. Nach Angaben der IOM sind 2025 über 2.100 Menschen bei ihrer Flucht im Mittelmeer ertrunken oder werden vermisst. Die tatsächliche Zahl dürfte aber weitaus höher liegen. Die IOM kritisiert, dass Migration vor allem sicherheitspolitisch behandelt werde, statt sie als einen sozialen und ökonomischen Normalzustand zu betrachten.
Die NaturFreunde setzen sich für eine solidarische Migrationspolitik ein. In der Europäischen Union wurde eine gegen Flüchtlinge und Migrant*innen gerichtete Politik etabliert. Bereits am Bundeskongress der NaturFreunde 2008 in Mannheim haben die NaturFreunde Deutschlands beschlossen: „Die NaturFreunde Deutschlands treten für offene Grenzen und das Recht aller ein, selbst zu entscheiden, wo sie leben wollen. Wir sind gegen eine Festung Europa! In Deutschland oder Europa zu leben ist kein Exklusivrecht für wenige.“
Uwe Hiksch
aus: WanderfreundIn 022026

