24.01.2026 | 55 Prozent aller Staaten im Globalen Süden sind laut aktuellen Schuldenreport von Misereor in einer alarmierenden Verschuldungslage. Die globale Verschuldung dieser Staaten ist auch Folge der postkolonialen Machtverhältnisse in der Welt. In diesen Ländern leben 90 Prozent der Menschen, die von extremer Armut betroffen sind.
Zusätzlich wird die Lage dadurch verschlimmert, dass durch die Klimakrise die Probleme massiv zunehmen und die betroffenen Staaten zusätzlich belasten. Somit werden sie in eine noch tiefere Verschuldung getrieben. Diese Kombination aus geopolitischen Abhängigkeiten und Klimakrise haben eine dauerhafte Krise geschaffen, aus der sich viele Länder nicht mehr aus eigener Kraft befreien können. Heute steht über die Hälfte der Entwicklungs- und Schwellenländer vor einer Verschuldungsnotlage; ein weiteres Drittel hat nur noch stark eingeschränkten Zugang zu den Kapitalmärkten.
Die Folgen sind fatal – besonders für die armen Menschen in den betroffenen Ländern. Das Geld, das in den Schuldendienst fließt, fehlt für staatliche Schulen, Krankenhäuser oder andere Sozialleistungen. Überschuldete Länder sind gezwungen auf Zukunftsinvestitionen in nachhaltige Infrastruktur oder für den Kampf gegen die Klimakrise zu verzichten. Neue Staatsschulden werden aufgenommen, um die alten abzubezahlen – ein Teufelskreis.
Die NaturFreunde unterstützen die Forderung der Aktion „Erlassjahr 2025“ und fordern von den Staaten des Globalen Nordens, die illegitimen und untragbaren Schulden der armen Staaten ohne wirtschaftspolitische Auflagen zu streichen. Es müssen endlich die Ursachen von Schuldenkrisen angegangen werden und das globale Wirtschafts- und Finanzsystem gerechter gestaltet werden. Als erster Schritt muss eine rechtsverbindliche Schuldenrahmenkonvention unter dem Dach der Vereinten Nationen vereinbart werden.
Die NaturFreunde setzten sich für eine gerechte Weltwirtschaftsordnung ein. Sie lehnen die rückwärtsgewandte Fokussierung der europäischen Regierungen auf Wirtschaftswachstum ab. Diese Politik zerstört die Lebensgrundlagen von Hunderten von Millionen Menschen. Mehr Wirtschaftswachstum in den Staaten des globalen Nordens wird die Armut und Ausgrenzung in den Staaten des globalen Südens weiter verschärfen, den Klimawandel beschleunigen und die Anzahl der Menschen, die aufgrund von Klimaveränderungen oder Umweltzerstörungen ihre Heimat verlassen müssen, dramatisch ansteigen lassen.
Eine gerechte Weltwirtschaftsordnung muss das Ziel der Klimagerechtigkeit, die Erhaltung der natürlichen Umwelt und die Bekämpfung der Armut in den Mittelpunkt stellen.
Uwe Hiksch
aus: WanderfreundIn 04-2025
