20.10.2026 | 19.10.2026 · AG Artenschutz der NaturFreunde Berlin
Zur Rodung des Spatzenhabitats am Platz der Luftbrücke erklären die NaturFreunde Berlin:
Seit 2024 haben die NaturFreunde Berlin aufgrund einer artenschutzrechtlichen Begutachtung der AG Artenschutz der NaturFreunde gegenüber der Unteren Naturschutzbehörde in Tempelhof-Schöneberg aufgezeigt, dass die Hecke auf dem Mittelstreifen der Manfred-von-Richthofen-Straße als ganzjährige Schutz- und Ruhestätte der dortigen Sperlingskolonien benötigt wird.
Jetzt wurde diese wichtige geschützte Ruhestätte zerstört. Dies ist mit artenschutzrechtlichen Vorgaben in keiner Weise zu vereinbaren. Die Untere Naturschutzbehörde kannte die Bedeutung der Hecke seit Anfang 2024. Im März hielt sie eine abschnittsweise Rodung mit vorgezogenen Ersatzpflanzungen noch für artenschutzfachlich vertretbar. Nach weiteren Abstimmungen und einer Ortsbegehung mit Grün Berlin erklärte sie im November jedoch, aufgrund der Gesamtplanung bestünden keine Alternativen. Die NaturFreunde hatten dagegen von Anfang an den Erhalt der Hecke gefordert.
Die artenschutzrechtliche Bewertung des von Grün Berlin beauftragten Büros Ökoplan vom 25.11.2024 beruhte lediglich auf einer einmaligen Ortsbegehung außerhalb der Brutzeit am 19.11.2024. In einer Antwort auf die BVV-Anfrage 0586/XXI bestätigte Bezirksstadträtin Dr. Saskia Ellenbeck als zuständige Leiterin der Abteilung für Ordnung, Straßen, Grünflächen, Umwelt und Naturschutz, dass die Brutplätze in den umliegenden Gebäuden weder in Anzahl noch Lage genau erfasst wurden. Auch wurde keine vollständige Bestandsaufnahme der lokalen Haussperlingspopulation erarbeitet. Für die Sicherung der Spatzenkolonien hätte eine qualifizierte Untersuchung der funktionalen Abhängigkeit der Brutkolonien von der geschützten Hecke von Seiten der Unteren Naturschutzbehörde beauftragt werden müssen. Ebenso gibt es keine nachvollziehbare Überprüfung, ob die vorgesehenen Ausweichhabitate tatsächlich geeignet und erreichbar sind. Als Ausweichhabitat führte die Behörde Gehölze im Gartendenkmal Platz der Luftbrücke an. Sie liegen auf der anderen Seite des stark befahrenen Tempelhofer Damms, getrennt von den Brutplätzen und der Hecke. Dass die Sperlinge diese Barriere überwinden und die Gehölze als Ersatz annehmen, wurde nicht belegt. Trotzdem wurde eine Ausnahmegenehmigung zur Zerstörung der Hecke erteilt und davon ausgegangen, dass die Haussperlinge ohne erhebliche Beeinträchtigungen auf andere Gehölzstrukturen ausweichen könnten.
Dazu Uwe Hiksch (NaturFreunde Berlin): „Es ist völlig inakzeptabel, dass auf Grundlage dieser unzureichenden Untersuchungen die vollständige Beseitigung einer bekannten, geschützten Ruhestätte genehmigt wurde. Es verstößt gegen artenschutzrechtliche Bestimmungen, dass die Behörde die Zerstörung der Hecke genehmigt hat, ohne dass Ersatzpflanzungen angelegt wurden, die von den Spatzenkolonien angenommen werden können. Vielmehr bestätigte die Behörde, dass Ersatzpflanzungen erst nach Abschluss der Baumaßnahmen erfolgen können.
Damit wurde eine geschützte Ruhestätte beseitigt, ohne dass zum Zeitpunkt der Rodung ein nachweislich geeigneter Ersatz vorhanden war. Die Zwischenlösung mit gelagertem Schnittgut ist aus unserer Sicht völlig unzureichend.“
Weiter Uwe Hiksch: „Die NaturFreunde Berlin sind über dieses Verhalten empört und bereiten gerade mit rechtsanwaltlicher Hilfe notwendige Schritte vor, um diese skandalöse Entscheidung zu rügen.“
Dazu Angela Laich (AG Artenschutz der NaturFreunde Berlin): „Unsere Vorschläge zum teilweisen Erhalt der Hecke, einer zeitlich gestaffelten Rodung und vorgezogenen Schutzpflanzungen wurden nicht ernsthaft aufgegriffen. Grün Berlin und die Untere Naturschutzbehörde hielten trotz konkreter Alternativen an der vollständigen Rodung fest.“
Zusagen wurden nicht eingehalten
Für die NaturFreunde Berlin ist es völlig inakzeptabel, dass gemachte Zusagen von Seiten der Behörde nicht eingehalten wurden.
Nach dem gemeinsamen Termin im Oktober 2025 erhielten die NaturFreunde Berlin trotz schriftlicher Zusage rund zehn Monate keine Rückmeldung zu den überarbeiteten Schutzmaßnahmen. Erst nach unserem erneuten Akteneinsichtsantrag vom 10. August 2026 wurden die Unterlagen übermittelt. Während Grün Berlin zehn Monate für die Überarbeitung benötigte, räumte die Naturschutzbehörde den NaturFreunden Berlin lediglich 14 Tage zur Stellungnahme ein. Die Forderung der NaturFreunde nach einer angemessenen Prüfungsfrist und vorheriger Akteneinsicht wurde zurückgewiesen. Dieses Vorgehen zeigt die fehlende Bereitschaft zu einem ernsthaften fachlichen Dialog.
Rodung ohne Möglichkeit des Rechtsschutzes
Die Untere Naturschutzbehörde hat durch ihr weiteres Vorgehen einen wirksamen Schutz für die bedrohten Spatzenpopulationen bewusst unterlaufen. Am Montag wurde die Entscheidung des Rechtsamts Tempelhof-Schöneberg an Grün Berlin elektronisch übermittelt. Dem zuständigen Rechtsanwalt der NaturFreunde Berlin wurde sie jedoch per Post zugesandt. Noch bevor die Post beim Rechtsanwalt eingegangen war, wurde bereits am Mittwochmorgen gerodet. Damit wurde faktisch jede Möglichkeit genommen, vor der Rodung noch eine gerichtliche Verfügung gegen die Zerstörung der Hecke zu erreichen.
Dazu Uwe Hiksch (NaturFreunde Berlin): „Die NaturFreunde sind empört, da sie davon ausgehen müssen, dass dieses Verfahren der Unteren Naturschutzbehörde vorsätzlich so durchgeführt wurde. Dies werden die NaturFreunde so nicht akzeptieren.“
Dazu Angela Laich (AG Artenschutz der NaturFreunde Berlin): „Auch die vorgesehenen Schutzmaßnahmen und Nebenbestimmungen wurden nicht eingehalten. Dies hat katastrophale Folgen für die betroffenen Sperlinge. Die NaturFreunde werden in den nächsten Tagen der Unteren Naturschutzbehörde ihre fachliche Einschätzung zu notwendigen Notmaßnahmen nach dieser artenschutzrechtlich nicht akzeptablen Zerstörung eines lebenswichtigen Habitats für die Spatzenkolonien zukommen lassen. Sollte die Untere Naturschutzbehörde nicht unverzüglich handeln und entsprechende Maßnahmen umsetzen, werden die NaturFreunde gerichtliche Schritte einleiten, um vor dem bevorstehenden Winter das Überleben der Kolonie trotz des vollständigen Verlusts der dichten Schutz- und Ruhestrukturen zu ermöglichen.“
Kontakt:
Uwe Hiksch (NaturFreunde Berlin), Tel.: 0176-62015902, hiksch@NaturFreunde.de
Angela Laich (AG Artenschutz der Naturfreunde), Tel.: 01575-2830927 artenschutz@naturfreunde-berlin.de
