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NaturFreunde Berlin
 
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Seit Anfang 2009 war Pink Rabbit viel unterwegs, und zwar nicht nur an unsäglichen Jahrestagen. Denn überall, wo nationale Inszenierungen stattfanden, tauchte es auf und machte sie lächerlich.
>>> Video der Aktion am 13. Februar 2010
>>> das Flugblatt [pdf]
>>> english version

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Pink Rabit gegen deutsche Opfermythen

Der 13. Februar ist für Dresdner_innen jeglicher politischer Couleur Anlass, den vermeintlich unschuldigen deutschen Opfern des Bombenangriffs auf Dresden 1945 zu gedenken. Dieses „Gedenken“ macht Dresden nicht nur zum Veranstaltungsort des größten Naziaufmarsches Europas, auch die zivilgesellschaftlichen Gedenkrituale sind Teil einer Umdeutung des Nationalsozialismus. Der Dresdner „Schicksalstag“ macht alle gleichermaßen zu Opfern. Der Vernichtungskrieg der Deutschen in Osteuropa, in dem diese bewusst ganze Landstriche verwüsteten und die Bevölkerungen ermordeten, wird ausgeblendet. Hinter dem Gedenken an die „Zerstörung der Stadt“ verschwindet, dass Deutsche – auch Dresdner_innen – systematisch Millionen Jüdinnen und Juden in ganz Europa zusammen trieben, deportierten und in Vernichtungslagern töteten und Sinti, Roma, Homosexuelle, Behinderte und andere verfolgten und ermordeten.

Wenn sich am 13.2.2010 Bürger_innen an der Dresdner Frauenkirche treffen, um Dresden zur „Opferhauptstadt“ – der Nazis, der Alliierten und der Kommunist_innen zu stilisieren, darf Pink Rabbit nicht fehlen. Darum hat es sich heute zum „Dresdner Gedenkweg“ eingeladen. In der Konzeption heißt es: „Die Dresdner Synagoge als Anfangspunkt des Gedenkweges soll an die Zerstörung ihres Vorgängerbaus durch die Nationalsozialisten im Jahre 1938 als Beginn der 1945 vollendeten totalen Zerstörung erinnern.“ Damit wird die Stadt Dresden als frühes Opfer der „Nationalsozialisten“ dargestellt. Die Novemberpogrome werden nicht etwa als der Beginn der Shoa, sondern als Beginn der Zerstörung der Stadt gewertet. Folgerichtig verwendet das Konzept des „Gedenkweges“ den Begriff der „Vernichtung“, der für die millionenfache Ermordung von Jüdinnen und Juden steht, im Bezug auf die Dresdner Bausubstanz. Damit wird der Mythos einer unschuldigen Kunst- und Kulturstadt gepflegt, die scheinbar unerklärlich bombardiert wurde und das Leid der Dresdner_ innen wird in den Mittelpunkt gestellt. Dass es jedoch genau diese Dresdner_innen waren, die Jüd_innen beraubten, entrechteten und ermordeten, wird sprachlich verschleiert.

Geborene Berufsopfer
Der ausschließlich auf das eigene Leiden fixierte Klagegesang in Deutschland – „Wir haben auch gelitten!“ – war von Anfang an Ausdruck des Widerwillens, sich den historischen Tatsachen, den Verstrickungen der eigenen Familie und der anderer nichtjüdischer Deutscher in Verbrechen und Massenmord zu stellen. Das große moralische Entlastungsbedürfnis der TäterInnen und ihrer Nachkommen trug im Kern den Wunsch in sich, keine Verantwortung für die begangenen NS-Verbrechen Übernehmen zu müssen. Zentrale Bedingung dafür war und ist das Verschweigen und Verharmlosen des Nationalsozialismus im Allgemeinen, im Besonderen jedoch die Geschichte der Verfolgten und Ermordeten. Die mangelnde Empathie für die Verfolgten und die Unfähigkeit, sich den (Un)Taten zu stellen, hatte und hat eine permanente Verdrehung von TäterInnen und Opfern zur Folge.
Die Dominanz von Wahrnehmung-, Schuld-, Verantwortungs- und Erinnerungsabwehr im postnationalsozialistischen Deutschland sowohl im öffentlichen wie auch im Familiengedächtnis konstruierte die „Deutschen“ (lies: „unschuldige Zivilbevölkerung“) und die „Nazis“ (lies: „Clique um Hitler“) als zwei völlig verschiedene Gruppen. Diese Selbstdarstellung der Deutschen weist eine Kontinuität von 1945 bis heute auf und dient der Schuldentlastung, an deren Ende die Versöhnung der Deutschen mit sich selbst steht. Die Trennung des deutschen Kollektivgedächtnisses von dem der Verfolgten hatte und hat zur Folge, dass reale Unterschiede im kulturellen Gedächtnis und dem Umgang mit Erinnerung auf TäterInnen- und Opferseite eingeebnet werden und sich die deutsche Nation ungeniert der Nabelschau des eigenen „Schicksals“ widmen kann. Das Gedenken an die „Bombenopfer“ und das diffuse Gerede vom „Krieg“, in dem angeblich alle gleichermaßen „Opfer“ wie „Täter“ seien, dient qua Verallgemeinerung und Moralisierung der Verharmlosung deutscher Schuld. Dabei reicht ein kurzer Blick in die Biographie eines bekannten Dresdners um deutlich zu machen, dass die Bombardierung Dresdens für die Opfer des Nationalsozialismus die Befreiung näher brachte. Victor Klemperer konnte am Abend vor seiner geplanten Deportation aus Dresden fliehen. Nicht trotz, sondern aufgrund der Bombardierungen. Aber was schert das schon den_die gemeine_n Durchschnitts-Dresdner_ in, wenn es sich so schön im eigenen Leid suhlen lässt.



Deutschlandliebe und Antikommunismus
Nicht erst das heutige Dresdner Gedenken, sondern bereits die DDR knüpfte an die nationalsozialistische Propaganda an. So wurde nicht nur Goebbels Ausdruck von „angloamerikanischen Luftgangstern“ übernommen, sondern auch in den 1960er Jahren der Thingplatz, wo viele der Toten des Angriffs bestattet liegen, zu einer Gedenkstätte umgestaltet. Von vierzehn kreisförmig aufgestellten Stelen tragen die Hälfte die Namen von KZs und sechs die Namen von Städten, die vom deutschen Militär im Krieg zerstört wurden. Die letzte ist mit „Dresden“ beschriftet. Die Dresdner „Opfer“ der Bombardierung werden so auf eine Stufe mit denen von Auschwitz oder von Coventry gestellt, TäterInnen scheint es nicht gegeben zu haben. Dieses geschichtspolitische Verständnis wurde 2005 – zum 60. Jahrestag der Bombardierung – bewusst weiter getrieben: Zu von Deutschland im II. Weltkrieg zerstörten Städten kam der Anschlag auf das World Trade Center in New York hinzu.
Zur vollen Blüte ist die Einebnung von TäterInnen und Opfern und dem Negieren von Ursache und Wirkung dank der tatkräftigen Zusammenarbeit des Freistaats Sachsen, der CDU/CSU und dem Verfassungsschutz unter dem Banner des „Antitotalitarismus“ gekommen. Schon der ehemalige sächsische Justizminister Steffen Heitmann (CDU), zugleich auch stellvertretender Vorsitzender der „Stiftung Sächsische Gedenkstätten“, bekannte ganz freimütig, dass ihm das Gedenken an die nach 1945 Verfolgten wichtiger sei als das an die vor 1945 Verfolgten. Im Gerede über „Gewaltherrschaft(en)“ und die „doppelte Diktatur“, in der die Bürger_innen der DDR angeblich hatten leben müssen, werden Erkenntnisse über Ursachen, Kausalitäten und Dimensionen der jeweiligen Verbrechen des Nationalsozialismus und der DDR negiert, Gedenken wird unter totalitarismustheoretischem Vorzeichen entdifferenziert und die nationalsozialistischen Verbrechen verharmlost. Die sächsische Landesregierung, die bereits seit dem Jahr 2000 die Verbrechen des Nationalsozialismus qua Gleichsetzung mit der DDR verharmlost, ignorierte in den Folgejahren beharrlich die Bemühungen der NS-Verfolgtenverbände – die bis zum heutigen Tage geschlossen ihre Mitarbeit niederlegten – um eine Korrektur dieser Politik.
Die „antitotalitäre“ Lehre geht davon aus, dass die Nazis deswegen an die Macht gekommen seien, weil die „Mitte“ der Gesellschaft zunehmend in „Extreme“ – links wie rechts – driftete und zu schwach gewesen wäre, sich gegen das imaginierte Bündnis von Kommunist_innen und Nazis zur Wehr zu setzen. Es soll also nicht zu wenige, sondern zu viele Antifaschist_innen gegeben haben. Auch heute werde die „wehrhaften Demokratie“ von „Rechts-“ wie „Linksextremismus“ gleichermaßen angegriffen und müsse sich wehren, um eine Wiederholung der Weimarer Verhältnisse zu verhindern. Dieses Beschwören eines Totalitarismus von links und rechts dient einer nationalen Logik, die die Spezifik der nationalsozialistischen Verbrechen nicht verstehen und so auch keine Kritik daran hervorbringen kann. Würde sie es tun, müsste sie zuallererst eine Kritik der (deutschen) Nation formulieren.

Nichts jedoch liegt den Initator_innen der „Menschenkette“ und des „Dresdner Gedenkweges“ ferner, die im Jahr 2010 eine Neuorientierung des Dresdener Gedenkens versprechen und dabei doch nur die DDR als eine der „zwei Diktaturen“ auf eine Stufe mit dem Nationalsozialismus stellen. Unter dem entdifferenzierenden Schlagwort des „Missbrauchs der Macht“ scheint es nun völlig einerlei, ob Jüd_innen im Nationalsozialismus systematisch ermordet oder in der DDR Kirchenruien abgerissen wurden. Gezeichnet wird das Bild einer normalen, aufgeklärten Nation. Einer Nation, die zu ihren Fehlern stehe und daraus gelernt habe. Dieses Trugbild eines positiven Bezugs auf Deutschland kennt Pink Rabbit schon. Daher gibt es sich die Ehre, am „Gedenkweg“ zu erscheinen und den unsäglichen Opfermythos der Dresdner_innen mit einer Hommage an die alliierten Streitkräfte zu bereichern.



Zum Weiterlesen:
>>> mythosundgeschichte.blogsport.de
>>> inex.blogsport.de
>>> venceremos.antifa.net

Zur Dokumentation:
>>> Programm Dresdner Gedenkweg [pdf]


Pink Rabbit against myths of German victimhood

The 13th of February is an occasion for the people of Dresden – regardless of their political affiliation – to commemorate the supposedly innocent German victims of the bombing of Dresden in 1945. Yet, every year, this “remembrance” also transforms Dresden into the site for the largest Nazi demonstration in Europe. The rituals of remembrance of today’s civil society are part of a reinterpretation of National Socialism.
The commemoration also suggests that all victims are equal. The German war of extermination in Eastern Europe is suppressed, a war in which the Germans consciously devastated whole swaths of land and murdered the population. The remembrance of the “destruction of the city” glosses over the fact that Germans – including the people of Dresden – systematically rounded up, deported and murdered millions of Jews in Europe in extermination camps, and that they chased and murdered Sintis and Romanies, homosexuals, the disabled and others.


When the citizens of Dresden meet at the Frauenkirche ["Church of Our Lady", famous Dresden church that was destroyed during the air raid and has been reconstructed recently] on the 13th of February 2010 to stylize Dresden as the “capital of victims” of the Nazis, Allies and communists, the Pink Rabbit must not be absent. This is why it has invited itself to the “Dresden Path of Remembrance”. Its explanatory text says: “The synagogue of Dresden as the starting point of the Path of Remembrance should commemorate the destruction of the predecessor building by the National Socialists in 1938 as the starting point of the total destruction that was completed in 1945” (see link below). With this, the city of Dresden is portrayed as an early victim of the “National Socialists”. The November Pogroms are not seen as the beginning of the Shoa, but as the beginning of the destruction of the city. Consequently, the concept of the Path of Remembrance uses the term “extermination”, that stands for the millionfold murder of Jews, to describe the basic structure of Dresden buildings. With statements such as this, a myth that Dresden was merely an innocent city of arts and culture is cultivated. Dresden becomes a city that was bombed supposedly inexplicably, and the suffering of the people of Dresden is pushed into the centre of attention. These texts linguistically disguise that it was exactly these people of Dresden that robbed, disenfranchised and murdered Jews.

Born to be professional victims
Since the end of WWII, the lament “We suffered, too!” has been an expression of the reluctance to face up to the historical facts and possibly of the involvement of one’s own family and that of other non-Jewish Germans in crimes and mass murders. At the core of the great moral need for the exculpation of the perpetrators and their spouses lies the wish to assume no responsibility for the crimes committed by the National Socialists. A central precondition for this was and is the concealment and the trivialization of National Socialism in general and the history of persecution and murder in particular. The lack of empathy for the victims of persecution and the inability to face up to the (mis)deeds has led - and still leads - to a permanent distortion of perpetrators and victims.
In the public and private memory of post-National Socialist Germany, which denies responsibility and refuses to remember, the “Germans” (read: “innocent civilians”) and the “Nazis” (read: “Hitler’s clique”) are constructed as two totally different groups. This self-representation of historical Germans continues from 1945 until today and serves the exculpation of guilt, whose end leads to the reconciliation of Germans with themselves.
This division also means that differences that exist in the cultural memory – for instance between memories associated with perpetrators and victims – can be equalised, and the German nation can dedicate itself to the navel-gazing of its own “fate” without any embarrassment. The remembrance of the “victims of the bombing” and the diffuse chitchat about the “war” in which allegedly everyone is equally “victim” and “perpetrator” serves – through generalization and moralization – to appease German guilt. This despite the face that one short glimpse into the biography of a famous person from Dresden would suffice to illustrate that the bombing of Dresden brought liberation closer to the victims of National Socialism. Victor Klemperer could flee on the eve of his planned deportation from Dresden. And this was not despite but because of the bombings. Yet, this is apparently of no concern to the average person of Dresden, when one can wallow so nicely in one’s own suffering.



Loving Germany and anti-communism
Not only today’s remembrance of Dresden but already the official GDR policy of remembrance tied in with National Socialist propaganda. Not only was Goebbel’s term of the “Anglo-American air gangster” adopted, also the Thingplatz, where many dead of the air attack are buried, was redesigned as a memorial place in the 1960s. Of the fourteen steles, which are erected in a circle, half of them carry the names of concentration camps and six of them carry the names of cities that were destroyed by the German military during the war. One stele is marked with the word “Dresden”. With this, the “victims” of the Dresden bombardment are put on the same level as those of Auschwitz or Coventry. Perpetrators are apparently non-existent.
This political understanding of history was consciously pushed further in 2005 – on the 60th centenary of the bombing. At the ceremony, the attack on the World Trade Centre in New York was mentioned, in addition to the cities that were destroyed by Germany during World War II.
However, the equation of perpetrators and victims came to full bloom thanks to the collaboration of the Freestate of Saxony, the CDU/CSU [Christian-democratic Union/ Christian-social Union, conservative parliamentary group] and the Bundesamt für Verfassungsschutz [Federal Office for the Protection of the Constitution, Interior secret service of Germany] under the banner of “anti-totalitarianism”. Already the former Minister of Justice of Saxony, Steffen Heitmann (CDU), also vice-president of the Stiftung Sächsische Gedenkstätten” [Foundation of Memorial Places in Saxony], confessed quite frankly that to him, the remembrance of the victims of persecution after 1945 was more important than that of those before 1945. In the loose talk about “despotism and tyranny” and the “twofold dictatorship”, under which the citizens of the GDR supposedly had to suffer, findings about the specific causes, causalities and dimensions of the particular crimes of the National Socialism and the GDR are negated. Through a theory of totalitarianism, the Dresden remembrance is universalized and the crimes of National Socialism trivialised. Already in the year 2000, the state government of Saxony equated the crimes of National Socialism with those of the GDR and therefore trivialized them. And in the following years, the government insistently ignored the efforts of the associations of victims of National Socialism to correct this policy, which led to the fact that these associations collectively stopped their co-operation with the government until today.
The “anti-totalitarian” doctrine functions on the assumption that the Nazis seized power because the centre of the society had drifted towards the “extremes” – left and right – and was too weak to defend itself against the imagined alliance of communists and Nazis. In this regard, there were not too little but too many anti-fascists. Accordingly, even today the “well-fortified democracy” is attacked from “right-“ and “left-wing extremists” and has to resist these groups in order to avoid a repetition of the political circumstances of the Weimar Republic. This evocation of a totalitarianism of the left- and right-wing serves a nationalist logic. This logic cannot understand the distinctiveness of the National Socialist crimes and therefore cannot criticize them. To criticize them, it must first express a critique of the (German) nation.

But nothing is more foreign to the initiators of the “Human Chain” and the “Dresden Remembrance Path”. In 2010, they promised a new orientation of the Dresden remembrance: to equate the GDR with National Socialism as a “dictatorship”. Under the universalized catch phrase of the “abuse of power,” it seems totally irrespective if Jews were murdered systematically during National Socialism or if the GDR knocked down ruins of churches. The picture of a normal, enlightened nation is outlined. A nation that stands up to its mistakes and has learned from them. The Pink Rabbit already knows about this illusion of a positive reference towards Germany. This is why it is an honour for it to appear at the “Path of Remembrance” and enrich the unbearable myth of the victimhood of the people of Dresden with an homage to the Allied forces.



For further reading:
>>> mythosundgeschichte.blogsport.de
>>> inex.blogsport.de
>>> venceremos.antifa.net

For purposes of documentation:
>>> Programm Dresdner Gedenkweg [pdf]


„Dresdner Gedenkweg“? Pink Rabbit feiert lieber!


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