
Gesellschaftsspiele Sportpolitische Thesen der NaturFreunde Berlin
These 1
Sport und Gesundheit
These 2
Sport und Konkurrenz
These 3
Sport und Geschlechter
These 4
Sport und soziale Ungleichheit
These 5
Sport und Rassismus

Sport und Konkurrenz
„Fitness“ wird zu der Fähigkeit sich durchzusetzen, dem Stress Paroli zu bieten und flexibel auf immer neue Anforderungen zu reagieren. Der Körper wird zum Ort, an dem die persönliche Perfektionierung sichtbar gemacht werden kann. Wer ruht gilt als faul. Unerkannt durchzieht mit „Fitness“ eine Kategorie unseren Alltag, die Anklänge an das sozialdarwinistische Überleben des Stärkeren enthält. Mit dem fitten Körper verbindet sich das Versprechen auf Leistungsbereitschaft, Belastbarkeit, Flexibilität, Optimismus und jugendlichem Elan.
Die unbedingte Leistungs- und Gewinnorientierung der kapitalistischen Gesellschaft spiegelt sich auch im Leistungs- wie im Freizeitsport wider. Konkurrenzorientierung und Überbietungsprinzip sind zentrale Merkmale des Sports. Schneller, höher, weiter bis hin zum Rekord, der eine Überbietung über den konkreten Wettkampf hinaus ermöglicht, setzen objektive Vergleichbarkeit voraus. Das Zentimeter-Gramm-Sekunde-System und die analog gebildeten Punktwerteverfahren beherrschen den Sport, vom Höchstleistungssport über den Freizeitsport bis zum „Passivsport“ vor dem Fernsehen. Diese Prinzipien haben zur Standardisierung nicht nur von Regeln, sondern auch von Räumen und Geräten geführt, sowie zur Herausformung effizienter Bewegungsmuster und zur Einteilung von Leistungsklassen. Die zur Ausübung der einzelnen Sportarten notwendigen Bewegungsräume wurden zunehmend künstlich geschaffen und den Erfordernissen der jeweiligen Sportart zweckrational angepasst. Im Gegenzug wurden die Naturräume zunehmend dem Konsum untergeordnet, Pisten geebnet und Schneisen geschlagen, Wege planiert. Komplizierte Regelwerke weisen uns heute den Weg durch die Bewegungsräume und schreiben Bewegungsabläufe vor.
Natürlich ist das nicht alles grundsätzlich fragwürdig. Die NaturFreunde-Praxis nimmt bereits viele Menschen mit – zum Beispiel auf kinderwagenund rollstuhltaugliche Wanderungen oder Kurztouren für Ältere und vieles mehr. Trotzdem: Wie weit gehen wir in unserem Ansporn und dem Konkurrenzdenken? Wer muss wie fit sein, um bei uns mitzumachen? Müssen wir eventuell nur unsere Ausschreibungen präzisieren?

